nabu-Hadeln wanderung ins Altendorfer moor

am 25. Januar 2020

Ein Bericht von Georg Ramm


Nasskaltes Wetter bestimmte die Wanderung durch die neuen Vernässungsflächen im Torfabbaugebiet Altendorfer Moor.
Etwa 50 ha abgebauter Fläche werden derzeit für den Einstau von Regenwasser vorbereitet, um auf dem hinterlassenen Torf von etwa 0,5 m Stärke eine Wiederbesiedlung mit hochmoortypischen Pflanzen einzuleiten. Ein Resttorf-Gemisch aus den gewachsenen Torfschichten ist hier die Vorbedingung, dass nach Entwässerung und landwirtschaftlicher Nutzung die Voraussetzungen für eine Hochmoorentwicklung geschaffen werden. Die Flächen werden gepoldert: mit Dämmen und Wällen werden höhengleiche Bereiche umgeben, Regenwasser staut sich an und bringt den Resttorf zum Aufquellen.


Noch aber ist es nicht soweit. Der Resttorf hat noch zuviel Nährstoffe aus der Vornutzung in sich und ist eben trocken. Eine Erstbesiedlung aus kleinem Sauerampfer, Weidenröschen, Reitgras, Große Brennnessel, Flatterbinse hat sich eingestellt.
Die Flatterbinse ist in vielen Vernässungsflächen eine Art, die nach landwirtschaftlicher Vornutzung bestandsbildendend sich entwickelt. Auch hier hat sich in den nassen Jahren vor 2018 diese Art etabliert. Aber in den trockenen Jahren 2018 und 2019 konnte sich das Schmalblättrige Weidenröschen durchsetzen und hat in der Blütezeit wunderschöne rote Blühflächen erzeugt, sehr zum Vorteil für Hummel und Schwärmer.

Nun sieht die Landschaft aber kurzrasig aus. Das Torfwerk hat als Pflegemaßnahme die anstehende Vernässungsflächen gemulcht. Dies wiederum nutzen Wiesenbrüter wie Kiebitz, Bekassine, Feldlerche und Wiesenpieper im Frühjahr zur Brut aus. Kleine Gewässer konnten in Senken und ehemaligen Gräben entstehen, die Enten, Gänse, Rotschenkel und Austernfischer, sowie Amphibien anlocken.
Davon ist aber zu dieser Jahreszeit noch wenig zu sehen. An Vögeln zeigten sich hier die Kornweihe, die im Moor überwintert und die Bekassine.
Feldmäuse und Wintermücken sind derzeit reichlich in der Fläche, für Turmfalke, Mäusebussard und Zaunkönig die Nahrungsgrundlage.

Auf dem Weg durch die Vernässungsfläche konnte auch auf die Torfarten und den mineralischen Untergrund hingewiesen werden. Aktuelles Thema ist das Fischsterben in unseren Gewässern, das in den moorbeeinflussten Bereichen beobachtet wurde. Die Kleischicht unter dem Torf enthält viel Eisen und Schwefel und reagiert sauer. Wird sie vor allem nach langer Trockenzeit durch ausgiebige Regenfälle entwässert, gelangen die Eisen- und Schwefelverbindungen in die Vorfluter, greifen in den Sauerstoffhaushalt ein und flocken aus.
Pflanzen und Tiere sterben, die Bodenlebewelt wird durch orangefarbene Flocken abgedeckt. Solch eine Kleischicht, im Volksmund „Maiboldt“ genannt, fanden die Teilnehmer auch vor und konnten sowohl dieses Material wie auch Eisenausträge in Form von Wasserbelägen, die wie ein Ölfilm aussehen, beobachten. Schwefelbakterien hatten sich auf Pflanzen im Gewässerufer gebildet.
Im Moor wird diese „Maiboldt-Schicht“ durch Torf abgedeckt und isoliert, in den landwirtschaftlich genutzten Flächen kommt es durch zu tiefer Entwässerung zu den gefürchteten Auswaschungen in die Oberflächengewässer.

Ein kleiner Ausflug von der jetzt in Arbeit befindlichen Fläche führte zu schon seit vier Jahren eingestauten Poldern. Hier konnte dann auch die Zielpflanze, das Torfmoos entdeckt werden.
Durchgefroren, aber tapfer ausgehalten, gelangte die zehnköpfige Gruppe zurück zur Verladestelle Wolfsbrucher Moor, wo Herr Udo Lange, ein Mitarbeiter des Torfwerkes, für Fragen zum Torfabbau, Vertrieb und Verarbeitung zur Verfügung stand.

 

© Reinhard Paulin
© Reinhard Paulin

Eine weite kahle Fläche zeigt sich als neuer Renaturierungsbereich

© Reinhard Paulin
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In Senken hat sich Wasser gesammelt, Daseins- grundlage für Wasservögel und Amphibien

© Rüdiger Ramm
© Rüdiger Ramm

Der „Maiboldt“, ein Schwefel- und eisenreicher Schlick. Liegt im Bodenaufbau unter dem Torf


© Reinhard Paulin
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Torfmoose haben sich schon eingefunden

© Reinhard Paulin
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Hasen leben in den neuen Vernässungsflächen

und nutzen die artenreiche Vegetation

 

© Reinhard Paulin
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Eine Fläche im Abbau

© Rüdiger Ramm
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Die Kornweihe verbringt als Nahrungsgast die Winterzeit im Bereich des Moores

© Reinhard Paulin
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 Rehe und ....

© Georg Ramm
© Georg Ramm

Mit Baggern werden die Wälle und Dämme gezogen


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